Frankfurter Allgemeine Zeitung: Altes Geld für junge Unternehmen

Der Startup-Fonds Cavalry bringt Berliner Gründer und den westfälischen Mittelstand zusammen

bü. DÜSSELDORF, 5. März. Der Wursthersteller Zimbo war einer der deutschen Supermarkt-Pioniere: Ende der fünfziger Jahre brachte das von Max Zimmermann gegründete Familienunternehmen aus Bochum die ersten Wurstwaren für die Selbstbedienungstheke auf den Markt. Zimbo gehört inzwischen zur Schweizer Bell AG, und Gründerenkel Patrick Zimmermann schaut sich für das Family Office in der Berliner Start-up-Szene nach anderen gewinnträchtigen Branchen und pfiffigen Ideen um. Mit einem Teil des Familienvermögens hat er sich im Frühphasenfonds „Cavalry Ventures“ engagiert, einem offenbar auch für andere westfälische Traditionsunternehmen besonders anziehenden Investmentvehikel. „Wir schlagen eine Brücke zwischen Old Economy und Digitalwirtschaft“, sagt Rouven Dresselhaus, einer der sechs Gründungspartner und Manager von Cavalry, im Gespräch mit dieser Zeitung. Mehrere Unternehmerfamilien seien schon als Geldgeber mit im Boot. Als einen weiteren Investor aus diesem Kreis nennt er Phillip Eissing, Mitglied der Eigentümerfamilie der Apetito AG aus Rheine, die Tiefkühlmenüs herstellt. Aber mit Namen ist Dresselhaus eher zurückhaltend, nicht jeder möchte in der Zeitung stehen. Der 33 Jahre alte Spezialist für Venture-Capital-Finanzierungen ist der richtige Mann, um für Cavalry den Türöffner in Richtung Mittelstand zu spielen. Er entstammt selbst einer westfälischen Unternehmerfamilie: den Eigentümern der Joseph Dresselhaus GmbH & Co. KG aus Herford, mit rund 900 Mitarbeitern einer der führenden deutschen Hersteller von Schrauben und Beschlagteilen.

Cavalry befindet sich mit seinen mittelständischen Geldgebern in guter Gesellschaft. Auch andere Berliner Fonds wie La Famiglia, Rheingau Founders und Cherry Ventures werben erfolgreich um altes Geld, um damit junge Gründer zu finanzieren. Von Unternehmensfamilien wie Schwarz (Lidl), Viessmann, Miele, Fürstenberg, Haniel und Werhahn ist bekannt, dass sie sich über diese Fonds in der Start-up-Szene engagieren. Dresselhaus betont deshalb ein anderes „Alleinstellungsmerkmal“: die unternehmerische Expertise der Cavalry-Mannschaft. Zum sechsköpfigen Managementteam gehören erfahrene Gründer, die Start-ups wie Delivery Hero, Plista oder Book a Tiger aufgebaut und ihre Gewinne teils in den Fonds investiert haben. „Und im Hintergrund arbeiten wir mit zwanzig der erfolgreichsten Tech-Unternehmer und Gründer zusammen. Auch sie sind von unserem Konzept überzeugt und haben persönlich investiert“, sagt Dresselhaus. Es sind prominente Namen darunter. Myke Naef zum Beispiel, der die Idee für den Online-Terminplaner Doodle hatte, oder Philipp Kreibohm, einer der Mitgründer von Home24. Eine weitere Besonderheit von Cavalry seien „strategische Partnerschaften“ mit Unternehmen wie Google, Amazon, Facebook, Unicredit und KPMG, die Sonderkonditionen für Startups aus dem Portfolio bereitstellten. Auch mit dem Energiekonzern Vattenfall ist gerade ein Kooperationsmodell besiegelt worden. Cavalry setzt auf die Expertise aus der klassischen Energiewirtschaft, um Geschäftsmodelle und Chancen besser beurteilen zu können, während die Schweden auf innovative Anstöße von außen hoffen. „Wir glauben, dass wir dadurch wichtige Impulse für das Energiegeschäft von morgen erhalten“, sagte Claus Wattendrup, Geschäftsführer der Vattenfall Europe Innovation.

Insgesamt 20 Millionen Euro wollen Dresselhaus und seine Kompagnons von Investoren einsammeln. Davon seien nach knapp einem Jahr bereits zwei Drittel im Topf, sagte er. Investiert wird ausschließlich in internetbasierte Geschäftsmodelle, wobei sich der Fonds auf Deutschland, Österreich und die Schweiz konzentriert. Mehr als 1600 Finanzierungsanfragen seien geprüft worden, zehn seien bisher ausgewählt worden, berichtet Dresselhaus. Beteiligt hat sich Cavalry unter anderem an der Logistikplattform Freighthub und McMakler, einer Plattform, die online den Verkauf und die Vermietung von Immobilien organisiert. Höchstens 30 Start-ups will der Fonds unter unterstützen. Eine größere Zahl vertrage sich nicht mit dem Anspruch, die Portfolio-Unternehmen eng zu begleiten, meint er. Mit gemischten Gefühlen beobachtet er, mit welchen Bewertungen manche Fonds in die Folgefinanzierungen für wachsende Start-ups hineingehen. Im internationalen Vergleich würden in Deutschland zwar noch maßvolle Einstiegspreise gezahlt, aber der Wettbewerb um die aussichtsreichsten Firmen habe deutlich zugenommen. Auch deshalb konzentriere sich Cavalry auf die Seed-Phase, in der es insbesondere auf die Expertise bei der Auswahl der Unternehmen ankomme. Und was die Bewertungen angeht, hält er sich an eine Maxime der Old Economy: „Die Kunst liegt auch in diesem Geschäft im Einkauf, wenn wir für unsere Investoren überdurchschnittliche Renditen erzielen wollen.

Bünder, H: Altes Geld für junge Unternehmen. Der Startup-Fonds Cavalry bringt Berliner Gründer und den westfälischen Mittelstand zusammen, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung (06. März 2017), Nr. 55, Seite 19. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.